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      Focus-Stacking und Makrofotografie

Focus Stacking in der Makro und Mikrofotografie

Wer sich mit der Makro- und Mikrofotografie beschäftigt und auch gerne einmal mit Maßstäben von 1:1 oder mehr fotografiert, wird schnell an die optisch bedingten Grenzen stoßen. Die Schärfentiefe ist bei solchen Maßstäben nur noch sehr gering.
 
Um dennoch ein Motiv mit einem Maßstab von 1:1 oder größer mit einer zufriedenstellenden Schärfentiefe fotografieren zu können, gibt es eine Technik, die Focus-Stacking genannt wird.
Das Motiv wird hierbei schichtweise in mehreren Ebenen fotografiert und dabei wird der Schärfebereiche bei jedem Einzelbild ein wenig verlagert. Als Ergebnis erhält man eine Bilderserie, auf dessen Einzelbildern zumindest einige Details scharf abgebildet sind. Das Zusammenrechnen dieser Serie übernimmt im Anschluss daran eine spezielle Software, die von jedem Einzelbild nur die scharfen Bilddetails verarbeitet.

Aber auch diese Technik hat ihre Grenzen, denn das Motiv darf sich auf keinen Fall bewegen. Deshalb sind Aufnahmen mit der Focus Stacking Methode in freier Natur kaum realisierbar, ein leiser Windhauch, und die Serie ist unbrauchbar. Die Kamera, das Stativ und das Licht müssen absolut solide montiert sein. Wichtig ist auch, daß die optische Achse konstant bleibt, es darf keinerlei seitliche Verschiebung geben, sonst würden beim Zusammenrechnen die dafür typischen Artefakte entstehen, die bei der anschließenden Bildbearbeitung nur sehr mühsam bis gar nicht entfernbar sind.





Die Hardware

Es gibt mehrere Möglichkeiten, präzise Bilderserien herzustellen. Zum einen sind vollautomatisch gesteuerte Makroschlitten erhältlich, bei denen die Schrittweite und andere Parameter vorher festgelegt werden - die Steuerung übernimmt dann die Stackingsoftware per Remote-Modus.
Diese "Stackshotschlitten", wie sie auch genannt werden, arbeiten hochpräzise und extrem zuverlässig, lassen aber den Spaß an der Handarbeit vermissen.
Es gibt auch die Möglichkeit, einen  manuellen Einstellschlitten zu verwenden, bei dem die Kamera per Mikrometerschraube transportiert wird. Diese Schlitten sind häufig Eigenkonstruktionen, denn die im Handel angebotenen Makroschlitten lassen eine so kleine Schrittweite, die nötig wäre, um z.B. kleine Details eines Insekts abzubilden, nicht zu. Mit diesen Schlitten arbeitet man vorwiegend horizontal. Anders sieht es mit der dritten Möglichkeit aus.
Es ist nämlich auch möglich, zum stacken ein Mikroskop zu verwenden. Die Kamera wird über einen senkrechten Fototubus an das Mikroskop angeschlossen, und die Schrittweite  wird über den Feintrieb von Hand eingestellt. Dafür ist etwas Übung nötig, man findet aber mit der Zeit die richtige Länge der Schritte, die zum Vergrößerungsfaktor des Objektives passen, heraus.
Auf die Vielzahl von Objektiven möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen, das würde den Rahmen sprengen.

Bei der Beleuchtung gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder kommen mehrere Blitze, oder aber LEDs mit Schwanenhals zum Einsatz. Letztere haben gegenüber den Blitzen den großen Vorteil, das sie hinsichtlich der Lichtführung sehr flexibel sind. Die höhere Auflösung wird aber möglicherweise mit Blitzgeräten erreicht. Eine ideale Beleuchtungsmethode gibt es nicht, die hier genannten haben beide ihre Vor und Nachteile.
Damit beim Focus Stacking keine Spitzlichter und harte Schatten entstehen, verwendet man Diffusoren, die um das Motiv platziert werden. Bewährt haben sich der halbierte Tischtennisball oder Diffusoren aus Papier oder Kunststoff. Eine sehr brauchbare Möglichkeit bieten die einfachen, weißen Einwegtrinkbecher, die man sich leicht passend zuschneiden kann.
Beim  Befestigen und Arrangieren des Motivs ist Einfallsreichtum gefragt. Auch hier gibt es etliche Möglichkeiten, etwa die "dritte Hand", die man von Lötarbeiten her kennt, eine Glasmurmel auf einem Halterungsring, Knetgummi oder, oder, oder.......

Für die Aufnahmen ist eine Kamera, die sich per Live-View und entsprechender Software durch den PC steuern lässt, sehr von Vorteil- Zur Not kann man aber auch rein visuell durch den Sucher oder auf das Kameradisplay schauen und belichten. Auf die Dauer ist das aber ziemlich anstrengend und nicht zu empfehlen.
Benötigt wird zum Schluss noch eine Software, die den Bilderstapel zusammenrechnet. Hier gibt es käuflich zu erwerbende, aber auch kostenlose Programme wie z.B. Picolay und Combine ZP. Die bekanntesten kommerziellen sind z.B. Zerene Stacker und Helicon Focus. Mit den beiden letztgenannten Tools lässt sich auch ein automatischer Stackshotschlitten fernsteuern.



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